Plädoyer für Liebe und Menschlichkeit

Liebe – ein Wort, das belächelt wird. Viele von uns können mit diesem Wort nichts anfangen. Wir kennen nur die Liebe, die wir geben können, wenn der andere unsere Bedingungen erfüllt. Wir spüren aber, dass „Liebe“ eigentlich etwas anderes ist. Doch etwas in uns wehrt sich dagegen. Wirkliche Liebe bedeutet, den anderen so anzunehmen, wie er ist, mit Verständnis und Mitgefühl bei ihm zu sein, ihm durchaus neue Gedanken anzubieten, ihn aber gleichzeitig entscheiden zu lassen, ob sie für ihn richtig sind. Wirkliche Liebe heißt, sich auf die Welt des anderen einzulassen. Liebe heißt deshalb auchund in erster Linie , sich selbst mit Liebe anzunehmen, mit all seinen Stärken und Schwächen. Erst wenn ich mich selbst wirklich liebe, kann ich den anderen auch wirklich lieben.

Lächelst du jetzt erhaben? Oder versetzt dich diese Beschreibung in Wut? Wirst du traurig? Empfindest du gar nichts? – Oder kannst du dieser Beschreibung aus vollem Herzen zustimmen? Dann gehörst du zu den Glücklichen, deren Herz wieder für die Liebe und damit für die Welt offen ist. Alle Kinder verfügen über die Fähigkeit, diese Liebe zu empfinden. Sie gehen der Welt mit offenem Herzen entgegen. Aber in was für eine Welt kommen sie? In eine Welt der Angst, der Beschränkung, der Begrenzung. In eine Welt des „Das macht man nicht.“ In eine Welt  der geschlossenen Herzen, der Fremdbestimmung.

Unsere Kinder haben nicht viele Möglichkeiten der Entwicklung in einer solchen Welt: entweder sie passen sich unter Aufgabe ihres Selbst an oder sie bieten ihr mit Aggression die Stirn. Im letzten Fall zwingt die Erwachsenenwelt diese Kinder mit Macht zur Kapitulation, zur Selbstaufgabe. Die stillen, braven, funktionierenden Kinder sind unsichtbar – und werden depressiv, landen im Erwachsenenalter im Burnout oder in anderen Krankheiten. So übertragen wir meiner Meinung nach seit Generationen unsere noch nicht entwickelte Menschlichkeit. Unsere Geschichte ist eine Geschichte von Kriegen. Bis heute. Kriege im Großen und im Kleinen. Tagtäglich Hass, Verachtung, Ablehnung. Wir kennen es nicht anders.

Wollen wir so weitermachen? Ganz offensichtlich sind wir von Natur aus rücksichtslos, boshaft, rachsüchtig, zerstörerisch. Wir leben auf der Grundlage unserer reflexartigen Stressreaktionen. Stress ist eine der Natur innewohnende Eigenschaft. Der halbbewussten Natur. Wir haben aber auch die entgegengesetzte Seite in uns. Die liebevolle, sanfte, verständnisvolle. Die soziale, die kooperative. Allerdings, und auch ganz offensichtlich, müssen wir diese uns erst erarbeiten. Um diese Seite leben zu können, müssen wir die Augen aufmachen und begreifen, was wir tun. Wir gehen nicht gerade zimperlich miteinander um.

Es gibt auch kein liebendes Universum. Und wenn doch, dann scheint der Einfluss auf unser Erdenleben gering zu sein. Die Kräfte, die tatsächliche Entwicklung auslösen, sind eher herberer Natur. Die sogenannten erwachten Menschen schaffen gerade erst ein liebendes und damit lebensförderndes Umfeld. Deshalb die Verbredungen zu Massenmeditationen. Ein konstanteres und harmonischeres Feld der Liebe wird entstehen, wenn wir in der Lage sind, in jeder Minute unseres Seins rücksichtsvoll, wertschätzend, mitfühlend und liebevoll zu leben. Das setzt die Heilung unserer seelischen Verletzungen voraus. Wir müssen dafür ganz bewusst an uns arbeiten. Es ist ein langfristiger Prozess, da unser boshafter Umgang miteinander viele seelische Verletzungen in uns hinterlassen hat.

Dieser Heilungs- und Transformationsprozess ist aber auch ein lohnender Prozess, der den Menschen letztlich zu einem selbstbestimmten und freien Wesen macht. Der ihn zu einem sozialen und konstruktiven Wesen macht. Der ihn so auch zu einem gesunden Wesen macht. Je mehr der Einzelne gesundet, desto mehr kann die Gesellschaft gesunden. Je mehr Menschen frei von emotionalen Verletzungen sind, desto verantwortlicher, bewusster und liebevoller kann die ganze Menschheit handeln.

Ich habe die Vision, dass wir Erwachsene unsere Kinder sanft an die Hand nehmen und ihnen all die Möglichkeiten, die dieses Leben bietet, zeigen und sie selbstbestimmt auswählen lassen, was für ihre Entwicklung wichtig und richtig ist. Wir alle sind einmalig und einzigartig mit unseren individuellen Begabungen und Talenten und jeder hat seinen ganz individuellen Weg der Entwicklung. Wir alle haben etwas Großes in uns, das leben möchte, das strahlen möchte. Das uns von innen her zum Strahlen bringen möchte.

Ich habe die Vision, dass jeder Einzelne von uns beginnt, ganz bewusst zu leben. Ich habe die Vision, dass jeder selbstverantwortlich danach strebt, seinen inneren Frieden zu finden. Dann können wir auch äußeren Frieden erreichen.

Ich habe die Vision, dass wir einander warmherzig, mitfühlend und verständnisvoll sowie mit humorvollem Abstand zum Leben begegnen. Ich habe die Vision, dass ein liebevolles und damit würdevolles Leben für uns alle zur Normalität wird. Wir können uns jederzeit dafür entscheiden.

Realität 2020: Nach einem kurzen Wiederaufflackern von Ideen wie Solidarität und Hilfsbereitschaft am Anfang dieses Jahres dank Corona sind die Menschen wieder fast in ihren emotionalen Ausgangszustand zurückgekehrt. Unsere Ängste haben wir immer noch und sie sind uns deutlich wie nie zuvor geworden. Wir hätten etwas begreifen können, aber wir haben es nicht begriffen. Wir kämpfen wieder gegeneinander. Wir kämpfen auch weiter gegen unsere Natur. Gegen unsere eigene, wie auch gegen unsere Umwelt. Wir wissen eigentlich, dass wir dabei sind, uns unsere Existenzgrundlage zu nehmen, aber wir wollen das nicht wissen. Wir nehmen uns so die Möglichkeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Noch könnten wir schadensbegrenzend handeln. Lange nicht mehr, wie uns die Wissenschaftler wissen lassen. Dann kippt das Erdklima in eine Heißphase. Diese gab es schon mehrfach in der Geschichte der Erde. Sie waren verbunden mit dem Aussterben der bis dahin vorhandenen Lebewesen. Wir beobachten bereits Artensterben. Das ist dann auch unsere Zukunft. Wir sind auch nichts anderes als Tiere. Wir sind Teil der Natur. Auch wenn uns das so gar nicht gefällt. Das ist aber auch genau der Grund, warum wir nicht überlebensfähig sind. Oder wachen wir doch noch rechtzeitig auf und handeln lebenserhaltend?

Letzte Änderung: 25.08.2020

© 2013 – 2020 Gundula Schielicke, Stressbewältigungscoach, Lehrerin für die Transformation von Herz und Verstand, Autorin

Ich unterstütze mit meiner Arbeit Menschen, die in ihre eigene Kraft kommen möchten, um so ein erfülltes Leben im inneren Gleichgewicht führen zu können und die bereit sind, dafür sich selbst zu verändern. Ich freue mich darauf, dir mit Beratung, Coaching und meinem Onlinekurs NEUSTART dabei zu helfen. Oder auch mit meinem Buch.