Goldene Stimme – goldenes Herz

08. Oktober 2019 | Gundula Schielicke

Letzte Änderungen: 12.10.2019

Warum schockiert es uns, wenn Menschen wie Karel Gott gehen müssen? Warum liegen wir ihnen zu Füßen? Aus dem gleichen Grund, warum der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ so beliebt ist. Sie sprechen unsere Gefühle an. Sie schenken uns Wärme und Liebe. Sie sind der Gegenpol zu dieser harten, kalten Welt. Wir alle haben eine weiche, sanfte Seite. Auch wenn viele Menschen damit nichts anfangen können. Von der sie nichts wissen wollen. Der echte Schlager wurde bis auf wenige Ausnahmen erfolgreich aus den deutschen Medien verdrängt. So viel Gefühl vertragen wir nicht. Wir reduzieren Karel Gott auf die Biene Maja. Nichts gegen dieses Lied, aber er war viel mehr als das. Er war auch viel mehr, als wir das in Deutschland wissen. Wissen wollen. Sein Repertoire war weiter gefächert, als sich das unser enges deutsches Schubladendenken vorstellen kann. Aber natürlich passten emotionale Lieder besonders gut zu ihm. Und wahrscheinlich brachte er in jedes Lied Emotionen. Er lebte ja förmlich in der Musik.

Wir aber weisen Gefühle weit von uns. Schnulzen. „Schnulzen haben ihre Berechtigung“, sagte Roy Black einmal. So ist das in dieser Welt. Man muss sich verteidigen, wenn man seine weiche, warme Seite zeigt. Dennoch und trotz allem gibt es Menschen, die zunehmend ihre Gefühle spüren. Wir leben in einer Zeit, in der wir Menschen uns unserer Gefühle langsam bewusst werden. Unsere Gefühle bewusst spüren zu können, ist für uns ein Lernprozess. Zu ihnen zu stehen, ist nochmal einer. Sie zu leben auch.

Karel Gott hatte damit keine Probleme. Er strahlte Lebensfreude und Lebenskraft aus. Offenheit, Ehrlichkeit, Fröhlichkeit, Herzlichkeit, Wärme, Zärtlichkeit. Er hatte die männliche und weibliche Seite perfekt in sich vereint. Zumindest auf der Bühne. Im richtigen Leben hatte er wohl auch seine Kämpfe. Krebs bekommt man nicht von ungefähr. Er schien unverletzbar zu sein. Aber das ist niemand. Auf jeden Fall war er ein Mensch mit großem Herz. Einer der wenigen hier. Und irgendwie auch der letzte. Von den Stars und Sternchen. Jedenfalls fällt mir niemand ein mit dieser menschlichen Größe. Die Erde ist nun wieder um einen Engel ärmer.

Bei den Slawen ist das Herz sowieso größer als bei den griesgrämigen Deutschen. In Deutschland hätte der Gedanke eines nationalen Trauertages für Roy Black bei den meisten ein spöttisches Lächeln hervorgerufen. Und wir müssten das erstmal ausdiskutieren. Obwohl die Anteilnahme an seinem Tod damals auch groß war. Dennoch gibt es hier genügend Menschen, die mit solchen Empfindungen nichts anfangen können.

Im Grunde unseres Herzens sind wir alle liebevolle Wesen. Das ist aber ganz schön verlorengegangen. Kein Wunder. So, wie wir miteinander umgehen. Wir gehen kalt und hart miteinander um. Mal aus der Zuschauerperspektive beobachten. Viele Menschen haben sich mit dieser Härte arrangiert und agieren selbst hart. Für sensible Seelen ist das unerträglich.

Der Wunsch nach Wärme ist hier in Deutschland nicht sonderlich groß. Vielleicht ist der Wunsch ja da, aber die Deutschen schrecken davor immer wieder zurück und weichen aus in den Kampf – oder ergreifen die Flucht. Unsere reflexgesteuerten Stressreaktionen. Ja, liebevolle Gefühle bereiten den Deutschen Stress. Das ist das Problem.

Es ist schwierig, einem Blinden von der Farbe zu erzählen. Es ist schwierig, emotionslosen, emotionsarmen Menschen von Emotionen zu erzählen. Dennoch versuche ich es. Dieses Mal anhand von Liedern. Schlagern. Schnulzen. Man kann auch mal genau hinhören, was ein anderer zu sagen hat. Bei den folgenden Liedern kann man sehr schön den unterschiedlichen Umgang mit Gefühlen sehen. Was auch gleichzeitig unser Weg der Entwicklung ist, wenn wir uns für unsere Gefühle entscheiden.

Im Lied von Udo Jürgens „Was ich dir sagen will“ wird der schon von mir erwähnte Zustand angesprochen: Ich fühle, was ich fühle. Aber – über Gefühle spricht man nicht. https://www.youtube.com/watch?v=euktxxDanFY Woher wissen wir, dass wir allein nur fühlen?

In diesem Lied von Roy Black „Wer Gefühle zeigt“ sind wir eine Stufe weiter: Du musst mir erlauben, dir meine Gefühle zu zeigen. https://www.youtube.com/watch?v=QLhqdFtRRyQ „Wir verspotten Gefühle.“ Genau.

Hier nun der fast befreite Umgang im Lied „Gefühle“ von Karel Gott:
Ich lasse mich tragen von meinen Gefühlen. Die Idealform ist: Wir lassen uns gemeinsam tragen von unseren Gefühlen. Nicht nur in der Liebe. Immer. Wir sollten alles mit Liebe tun. https://www.youtube.com/watch?v=9eq270La1Ek

„Eine Macht, die uns zwei befreit.“ „Worte, die heilen. Tränen, die mich befrei’n.“ „Ich will nicht stark sein.“

Die Trauerfeierlichkeiten für Karel Gott zeigen, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die keine Angst vor Gefühlen haben und die ein liebevolles Sein zu schätzen wissen. Er war ein Quell der Liebe. Jeder von uns sollte ein Quell der Liebe sein.

Wenn sich der Verstand dem liebevollen Herz ergibt, wird alles leichter.

Srdce nehasnou = Herzen erlöschen nicht – Der wunderbare Titel des wohl letzten Liedes, das Karel Gott im Mai mit seiner Tochter veröffentlicht hat.

© 2019 Gundula Schielicke, Lehrerin und Coach für die Transformation von Herz und Verstand, Autorin

Ich unterstütze mit meiner Arbeit Menschen, die in ihre eigene Kraft kommen möchten, um so ein erfülltes Leben im inneren Gleichgewicht führen zu können und die bereit sind, dafür in sich selbst etwas zu verändern. Ich freue mich darauf, dir mit Beratung, Coaching, meinem Onlinekurs NEUSTART und energetischem Heilen dabei zu helfen. Oder auch mit meinem Buch. Innerer Frieden ermöglicht äußeren Frieden. Liebevolle Gefühle ermöglichen Frieden.

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